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XVI - Der Turm
Im Tarot steht der Turm für einen dramatischen, meist schmerzhaften
Wandel. Dazu ist oft die Zerstörung alter, Überkommener Strukturen
notwendig, bevor ein Neuaufbau beginnen kann.
Im Leben unerlöster Türme ist so ein Wandel ebenfalls nötig.
Nur bemerken sie dies nicht. Es wird ihnen nicht bewusst. Manchmal fehlt
auch einfach der Mut oder die Perspektive, etwas zu ändern. Statt
dessen richten sie ihre Zerstörungswut auf alles, was sich ihnen
als Aggressionsziel bietet.
Wesentliche Ausdrucksform des unerlösten Turmes ist die scheinbar
ziellose Zerstörung. Vandalismus, der zerstört, was er zufällig
findet, gehört genauso dazu wie Menschen, die blindwütig Aggressionen
an anderen Menschen abreagieren.
Damit sind nicht vereinzelte Wutausbrüche gemeint, die meist eine
konkret fassbare Ursache haben. Die Aggression kann durchaus ohne physische
Gewalt auskommen. Unerlöste Türme gehören als Eltern, Vorgesetzte
oder Lebenspartner durchaus auch dann zur Sorte unerträglich, wenn
sie keinerlei Gewalt anwenden. Permanenter psychischer Druck, Herabwürdigungen,
Überforderungen, Drohungen usw. wirken genauso destruktiv auf andere
Menschen, wie körperliche Gewalt.
Unerlöste Türme kommen in beiden Geschlechtern, in nahezu jeder
Altersgruppe, in jeder sozialen Schicht, in jedem Bildungsniveau vor.
Lediglich die Methoden der Destruktion können von Gruppe zu Gruppe
differieren. Situationen, in denen ein Wandel dringend erforderlich ist,
kommen im Leben aller Menschen vor. Viele von uns kennen auch Phasen,
in denen wir uns diesem Entwicklungsschritt verweigern. Je länger
wir dies tun, umso grösser wird das Problem, umso aufwendiger der
Änderungsprozess, umso explosiver werden wir aber auch.
An dieser Stelle haben wir zwei Möglichkeiten. Wir können den
Druck durch aggressives Verhalten ablassen. Das kann scheibchenweise,
sozusagen durch dauerhafte Aggressionen erfolgen, die sich in der Regel
gegen Menschen richten. Manchmal kann diese Aggressivität auch in
Ersatzhandlungen gelenkt werden. Laute Musik, Computer- oder Videospiele
usw. können dies zumindest teil- oder zeitweise kompensieren.
Die andere Möglichkeit ist eine unmittelbar destruktive Handlung
gegen einen Menschen, ein Tier oder einen Gegenstand, die für einen
längeren Zeitraum einmalig ist, dafür aber meist umso heftiger
ist. In solchen Fällen werden häufig Autos, Telefonzellen oder
wenigsten Fensterscheiben Opfer der unerlösten Türme. Je länger
jedoch das eigentliche Problem unbearbeitet bleibt, umso heftiger wird
das aggressive Verhalten.
In vielen Fällen, nicht nur wenn die Lebensumstände keinen adäquaten
Raum für das Ablassen des Drucks nach aussen bieten, zerstören
sich unerlöste Türme nach und nach selbst. Sucht, Krankheit,
soziale Isolation sind Folge und Auslöser weiterer Umdrehungen der
Spirale in einem.
Noch eine Möglichkeit ist die Lösung der eigentlichen Probleme.
Die Turmessenz kann dies unterstützen. Allerdings bietet sie keinen
Automatismus. Die Essenz kann helfen die vorhandene Energie in die zur
Problembewältigung nötige Richtung zu lenken. Sie kann den Transformationsprozess
im Innern auslösen, der die Änderung der äusseren Umstände
erst möglich macht.
Die praktischen Schritte müssen wir jedoch selbst tun. Im Fall des
Turms sind sie meist heftig. Vergleichbar mit der Zerstörung eines
Turms, hinter dessen immer dicker werdende Mauern wir uns verschanzt haben.
Nicht selten müssen Beziehungen beendet, Jobs gekündigt, Werte
aufgegeben werden. Gewohnheiten sterben, wir müssen lernen auf vieles,
was angenehm aussah, zu verzichten.
Manchmal ist auch eine Psychotherapie, ein Drogenentzug fällig. Die
Tarotkarte zeigt einen einstürzenden Turm unter dem wachenden Auge
Gottes. Ein Turm-Wandlungsprozess kann schmerzhaft sein. Am Ende hat sich
jedoch der Aufwand gelohnt.
Erlöste Türme sind sich selbst ein deutliches Stück näher.
Sie haben einen Kampf hinter sich, in dem sie gereift sind. Sie haben
neue Potentiale entdeckt, etwas Neues aufgebaut, Übernehmen die Verantwortung
für sich. Nicht selten führt ihre neue Stärke zu einem
hohen Mass an sozialer Akzeptanz.
Der Erlösungsprozess wird in manchen psychologischen Richtungen als
Konversionserleben bezeichnet. Erlöste Türme - bei kaum einer
anderen Essenz ist das Wort "erlöst" so wörtlich zu nehmen -
kennen sich selbst und leben manchmal sogar ihr zweites Leben.
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