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Philosophie Essenzen
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XVI - Der Turm
XVII - Der Stern
XVIII - Der Mond
XIX - Die Sonne
XX - Das Aeon
XXI - Das Universum

XVI - Der Turm

Im Tarot steht der Turm für einen dramatischen, meist schmerzhaften Wandel. Dazu ist oft die Zerstörung alter, Überkommener Strukturen notwendig, bevor ein Neuaufbau beginnen kann.
Im Leben unerlöster Türme ist so ein Wandel ebenfalls nötig. Nur bemerken sie dies nicht. Es wird ihnen nicht bewusst. Manchmal fehlt auch einfach der Mut oder die Perspektive, etwas zu ändern. Statt dessen richten sie ihre Zerstörungswut auf alles, was sich ihnen als Aggressionsziel bietet.
Wesentliche Ausdrucksform des unerlösten Turmes ist die scheinbar ziellose Zerstörung. Vandalismus, der zerstört, was er zufällig findet, gehört genauso dazu wie Menschen, die blindwütig Aggressionen an anderen Menschen abreagieren.
Damit sind nicht vereinzelte Wutausbrüche gemeint, die meist eine konkret fassbare Ursache haben. Die Aggression kann durchaus ohne physische Gewalt auskommen. Unerlöste Türme gehören als Eltern, Vorgesetzte oder Lebenspartner durchaus auch dann zur Sorte unerträglich, wenn sie keinerlei Gewalt anwenden. Permanenter psychischer Druck, Herabwürdigungen, Überforderungen, Drohungen usw. wirken genauso destruktiv auf andere Menschen, wie körperliche Gewalt.
Unerlöste Türme kommen in beiden Geschlechtern, in nahezu jeder Altersgruppe, in jeder sozialen Schicht, in jedem Bildungsniveau vor. Lediglich die Methoden der Destruktion können von Gruppe zu Gruppe differieren. Situationen, in denen ein Wandel dringend erforderlich ist, kommen im Leben aller Menschen vor. Viele von uns kennen auch Phasen, in denen wir uns diesem Entwicklungsschritt verweigern. Je länger wir dies tun, umso grösser wird das Problem, umso aufwendiger der Änderungsprozess, umso explosiver werden wir aber auch.
An dieser Stelle haben wir zwei Möglichkeiten. Wir können den Druck durch aggressives Verhalten ablassen. Das kann scheibchenweise, sozusagen durch dauerhafte Aggressionen erfolgen, die sich in der Regel gegen Menschen richten. Manchmal kann diese Aggressivität auch in Ersatzhandlungen gelenkt werden. Laute Musik, Computer- oder Videospiele usw. können dies zumindest teil- oder zeitweise kompensieren.
Die andere Möglichkeit ist eine unmittelbar destruktive Handlung gegen einen Menschen, ein Tier oder einen Gegenstand, die für einen längeren Zeitraum einmalig ist, dafür aber meist umso heftiger ist. In solchen Fällen werden häufig Autos, Telefonzellen oder wenigsten Fensterscheiben Opfer der unerlösten Türme. Je länger jedoch das eigentliche Problem unbearbeitet bleibt, umso heftiger wird das aggressive Verhalten.
In vielen Fällen, nicht nur wenn die Lebensumstände keinen adäquaten Raum für das Ablassen des Drucks nach aussen bieten, zerstören sich unerlöste Türme nach und nach selbst. Sucht, Krankheit, soziale Isolation sind Folge und Auslöser weiterer Umdrehungen der Spirale in einem.
Noch eine Möglichkeit ist die Lösung der eigentlichen Probleme.
Die Turmessenz kann dies unterstützen. Allerdings bietet sie keinen Automatismus. Die Essenz kann helfen die vorhandene Energie in die zur Problembewältigung nötige Richtung zu lenken. Sie kann den Transformationsprozess im Innern auslösen, der die Änderung der äusseren Umstände erst möglich macht.
Die praktischen Schritte müssen wir jedoch selbst tun. Im Fall des Turms sind sie meist heftig. Vergleichbar mit der Zerstörung eines Turms, hinter dessen immer dicker werdende Mauern wir uns verschanzt haben.
Nicht selten müssen Beziehungen beendet, Jobs gekündigt, Werte aufgegeben werden. Gewohnheiten sterben, wir müssen lernen auf vieles, was angenehm aussah, zu verzichten.
Manchmal ist auch eine Psychotherapie, ein Drogenentzug fällig. Die Tarotkarte zeigt einen einstürzenden Turm unter dem wachenden Auge Gottes. Ein Turm-Wandlungsprozess kann schmerzhaft sein. Am Ende hat sich jedoch der Aufwand gelohnt.
Erlöste Türme sind sich selbst ein deutliches Stück näher. Sie haben einen Kampf hinter sich, in dem sie gereift sind. Sie haben neue Potentiale entdeckt, etwas Neues aufgebaut, Übernehmen die Verantwortung für sich. Nicht selten führt ihre neue Stärke zu einem hohen Mass an sozialer Akzeptanz.
Der Erlösungsprozess wird in manchen psychologischen Richtungen als Konversionserleben bezeichnet. Erlöste Türme - bei kaum einer anderen Essenz ist das Wort "erlöst" so wörtlich zu nehmen - kennen sich selbst und leben manchmal sogar ihr zweites Leben.

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