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XVII - Der Stern
Stell Dir vor, Du liegst nachts abseits aller großen Städte
auf einer Wiese. Die Nacht ist mondlos und absolut wolken- und nebelfrei.
Himmel ist voll von Sternen. Könntest Du einen für dich auswählen?
Welchen würdest Du nehmen?
Von der Erde aus sehen die Sterne einander sehr ähnlich. Einige sind
heller, andere dunkler. Alle haben sie ein wenig andere Farben. In etwa
das ist die Perspektive eines unerlösten Sterns auf sein Leben.
Er kann wählen. Er ist fähig Entscheidungen zu treffen. Und
er macht davon reichlich Gebrauch. Jedes mal wieder.
Auch Sterne stehen im Supermarkt des Lebens. Sie greifen zu, sie kaufen,
sie kosten. Und - sie nutzen immer ihr Rückgaberecht.
Unerlöste Sterne mit Abitur können durchaus zu den Langzeitstudierenden
gehören. Dabei meinen sie es in jedem Semester wieder ernst, ziehen
es voll durch, arbeiten hart. Sie können zu den besten ihres Semesters
gehören. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem irgendetwas nicht
stimmt. Sie finden einen Grund, das Studium abzubrechen, mit der Konsequenz,
dass sie im nächsten Semester in einem völlig anderen Fach bei
Null anfangen. Und die Spannbreite ihrer Themen kann dabei enorm sein:
von jüdischen Studie über Biologie bis zur Informatik passt
alles zu ein und demselben Menschen.
Im spirituellen Bereich können unerlöste Sterne jeden Guru zur
Verzweiflung treiben, dem Buchladen um die Ecke jedoch reichen Umsatz
bescheren. Sie stürzen sich voller Begeisterung in eine Ausbildung,
einen Coven, eine religiöse Gemeinschaft. Aber eben alle paar Wochen
in eine andere. Jedes mal sind sie sich sicher, jetzt endlich gefunden
zu haben, was zu ihnen passt. Bis zum nächsten: Nö, doch nicht.
Oder bis ihnen etwas anderes über den Weg läuft, das sie begeistert.
So gut wie keine US-Vorabendserie ist komplett ohne einen unerlösten
Stern. Sie verlieben sich jedes mal wieder bis über beide Ohren.
Jedes mal ist es der oder die Richtige. Wer das Gefühl, frisch verliebt
zu sein mag, kann neidisch sein, auf unerlöste Sterne.
Manche von ihnen handeln eher mit Autos, als dass sie sie besitzen. Andere
haben tiefgehende Erfahrungen mit Wohnungswechsel. Bei vielen kommt jedoch
fast alles zusammen. Sie sind immer in Bewegung.
Solange, bis sie eines Tages feststellen, dass sie viel getan, viel gelernt,
viel erfahren haben, aber nichts erreicht. Sie sind nirgendwo zu Hause,
haben keine Beziehung, keinen spirituellen Halt, keinen Abschluss. Typische
Lebensphasen wie Menopause oder Midlivecrisis können sie besonders
hart treffen. Alle alten Freundinnen und Freunde haben etwas, was sie
auch wollen. Irgendwie ist das Leben an ihnen vorbeigegangen.
Diese Erkenntnis ist Risiko und Chance in einem.
Das Risiko ist, dass der Stern so weitermacht wie bisher: der richtige
Weg liegt ihm doch gerade mal wieder zu Füßen.
Die Chance ist, dass er den Mechanismus durchschaut.
Die Essenz des Sterns kann helfen, den wirklich richtigen Weg zu finden
und das Durchhaltevermögen zu fördern, auch dann, wenn Probleme
oder Verlockungen mal wieder in eine andere Richtung ziehen.
Sie hilft, Vertrauen zu entwickeln, in sich selbst und in die Zukunft.
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