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XVII - Der Mond
Auf der sonnenabgewandten Seite ist der Mond dunkel und kalt.
Und so fühlt sich das Leben für unaufgelöste Monde und
Mondinnen auch an. Es ist wie tiefer finsterer Wald, weit oben hängt
der Vollmond, doch sein Licht kommt auf dem Boden nicht an.
Nur manchmal ein kleiner Schimmer, der alles in gespenstisches, nebelhaftes
Grau hüllt und die Schatten erst recht sichtbar macht.
Wege gibt es schon lang keine mehr, hinter jedem umgefallen Stamm kann
ein Sumpfloch liegen, hinter jedem Baum ein Monster stehen, fern heulen
die Wölfe. Das Leben in diesem Wald ist trostlos. Angst geht um.
Die Menschen in diesem Wald sind allein. Sie verirren sich, gehen im Kreis,
immer wieder, bis sie aufgeben. Aber einfach sitzen bleiben geht nicht,
denn die Schatten nähern sich allen, die nicht bereit sind. Manchmal
scheint es als gäbe es einen Waldrand, ein Ende. Doch gerade dort
sind die Monster am gefährlichsten. Stimmen schwirren durch die Dunkelheit.
Die Schatten greifen an.
Menschen, die einen unerlösten Mond in sich tragen, fühlen sich
tatsächlich bedroht. Sie sehen das Schwarze in ihrem Leben, jedes
Licht ist mit dem Risiko des Betrugs verbunden. Sie suchen nach den Zeiten
oder den Welten, in denen das Leben besser war oder ist. Sie finden sie
in mythischen Vergangenheiten oder fernen Ländern, in denen sie gerade
nicht sind.
Manchmal suchen sie sich einen Weg in diese Welt. Häufig mittels
Drogen. Dort wo sie sind, herrschen Verfolgung, Bedrohung. Übervorteilung.
Gewalt. Nicht selten waren sie in ihrem Leben auch psychischer oder physischer
Gewalt vielleicht auch nur heftigen Überforderungen ausgesetzt.
Psychosen, Paranoia oder Depressionen sind Ausdruck dieses Seelenzustandes.
Abhängigkeiten von Drogen, Medikamenten aber auch von Menschen, die
sie bestätigen sind nicht selten. Ihre Ansprüche an Menschen,
die ihnen helfen oder die sie lieben, sind gewaltig. Mit wesentlich weniger
als Vollkommenheit geben sie sich meist nicht zufrieden. Ein Irrtum, ein
Missverständnis, ein falsches Wort bedeutet vielleicht schon Verrat
und Täuschung, zumindest Enttäuschung und damit Bestätigung
der schlechten Welt.
Trotzdem versinken die unerlösten Monde selten völlig. Immer
auf der Suche nach einem Strohhalm oder einem Verbündeten haben sie
die Chance tatsächlich aus der Finsternis zu entfliehen.
Die Tarot-Essenz des Mondes kann ihnen helfen, die Lichtpunkte zu erkennen.
Schatten können ohne Licht nicht sein, es geht darum auch die andere
Seite der Welt zu bemerken, aus dem Schatten herauszutreten und zu sehen,
was den Schatten wirft. Einzuschätzen, welche Gefahr tatsächlich
besteht, Strategien zu finden, mit den Gefahren zu leben ohne sich der
Angst zu ergeben.
Erlöste Mondinnen und Monde haben Licht und Schatten. Sie kennen
beide Seiten und sind mit ihnen versöhnt. Sie haben das Leben akzeptiert
und Kraft, Gelassenheit und Vertrauen mit all seinen Aspekten umzugehen.
Sie wissen, dass ein dunkler Wald eine lebenswerte Landschaft, ein Sumpfloch
ein reiches Biotop, das Heulen der Wölfe ein Geschenk der Natur,
ein Gebet an den Vollmond ist.
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