|
VI -Die Liebenden
Mit Menschen in Beziehung zu stehen, ist nicht ganz leicht. Dies trifft
auf jede Art von Beziehung zu, nicht nur auf Partnerschaften.
Wir sind, was wir sind und das drückt sich auch in unserer Art, mit
anderen umzugehen aus. Wir sind selten in der Lage, andere Menschen völlig
als das zu verstehen, was sie sind. Immer sind unsere Bilder von uns geprägt.
Ein mehr oder weniger großes Stück weit passen wir die Menschen
in unsere Vorstellungen. Wir weisen den Menschen oft eine Rolle zu. Wir
wissen, in welchen Spannbreiten menschlichen Verhaltens sie sich zu bewegen
haben. Sind sie anders, erscheint uns das mindestens befremdlich. Die
Toleranzgrenzen aber sind genau das, an dem unseren Willen zur Beziehungen
mit Menschen festmachen.
Und hier liegt das Problem von unerlösten Liebenden. Egal in welcher
Art von Beziehung: Hast du den Eindruck mehr zu geben, als zu bekommen?
„Investierst“ Du in eine Beziehung zu Freunden, Kolleginnen,
Nachbarn usw. und meinst, dass zu wenig zurückfließt?
Sicher ist es schwer, hier einen eindeutigen Ausgleich zu schaffen. Geld
ist ein Versuch, dem Problem Herr zu werden. Aber im zwischenmenschlichen
Bereich funktioniert das nur äußerst unzureichend. Dennoch
sollte es auch hier ein ungefähres Gleichgewicht geben. Andernfalls
schlägt jede Sympathie, jede Liebe irgendwann in etwas um, das mindestens
eine Seite erheblich belastet. Auch oder gerade in Beziehungen zwischen
Menschen ist ein Burn out möglich.
Wenn Du den Eindruck hast, dass von Deiner Seite erheblich mehr Energie
in eine Beziehung, in einen Kontakt fließt, als sich für Dich
lohnt, ist das ein gutes Zeichen. Denn viele Menschen lassen diese Information
gar nicht erst in ihr Bewusstsein. Was Du bemerkst, kannst Du ändern.
Es geht hier darum, Dich selbst in die Lage zu versetzen, die Beziehung
richtig einzuschätzen. Du musst lernen, dass Deine Art, mit Menschen
umzugehen, von Dir bestimmt wird. Nicht die anderen saugen Dich aus, Du
gibst mehr als Du kannst. D.h. Du spielst eine Rolle, statt Du selbst
zu sein. Und das hat immer mit Deinen Erwartungen an Dich und andere zu
tun.
Die Tarot-Essenz der Liebenden kann derartige Erkenntnisse anstoßen.
Auch in Partnerschaften gibt es dieses Phänomen. Oft allerdings kommt
für unerlöste Liebende eine weitere Komponente hinzu.
Das unerlöste Verhalten resultiert meist nicht aus einem Zuviel an
Energie sondern aus einer Erwartung an den anderen. Unerlöst Liebende
suchen nach der Traumprinzessin oder dem Ritter auf dem weißen Pferd.
Manchmal geht es dabei auch um Seelenpartner. Meinen sie, einen solchen
Menschen gefunden zu haben, sind sie bereit alles für diese Menschen
zu tun. Niemand kann auf Dauer die Rolle der Traumfrau oder des Traummannes
spielen. Denn es ist eine Rolle, unser Wunsch, unser Ideal. Es würde
eine gehörige Portion Anpassungsfähigkeit erfordern, diesem
Anspruch gerecht zu werden, was jedoch heißt, dass sich der reale
Mensch hinter dem Traumwesen verbiegen muss. Das tun die meisten jedoch
aus gutem Grund nicht. Es würde für alle eine Illusion schaffen.
Irgendwann kommt meist ein Punkt, an dem unerlöst Liebende einsehen,
dass dieser Mensch es irgendwie doch nicht sein kann.
Wenn wir frisch verliebt sind, passiert es schon mal, dass wir Menschen
durch die rosarote Brille sehen. Allerdings sollte irgendwann klar werden,
dass niemand perfekt ist. An diesem Punkt fällt für die unerlöst
Liebenden eine Entscheidung von großer Tragweite.
Entweder sie lernen auf die überzogenen Ansprüche zu verzichten.
Oder sie stoßen das ehemalige Traumwesen ab und suchen sich eine
neue Projektionsfläche ihrer Wünsche.
Wenn Du lernen willst, realistisch an Menschen heranzugehen, kann Dir
die Essenz helfen, etwa Wesentliches zu verstehen: Was Du im anderen suchst,
ist etwas, was Du eigentlich in Dir vermisst. Du brauchst keine Prinzessin,
Du brauchst keinen Ritter. Alles, was Du von Ihnen verlangst, kannst Du
in Dir schaffen. Wenn Du das verstanden hast, werden Menschen von Rettern
zu Partnern, die Dir helfen, deren Nähe Du genießt ohne sie
und Dich zu überfordern, die Du sein lassen kannst, was sie sind.
Für viele erstaunlich ist, dass das auf spirituellen Ebenen durchaus
genauso ist. Kein aufgestiegener Meister, keinen Ahnen, keine Geistwesen
sind abhängig von Deiner Verehrung. Sie können Dir helfen, wenn
Du Dich auf den Weg machst, Dir selbst zu helfen. Sie sind Partnerinnen
oder Partner. Du kannst ihnen dankbar sein und sicher kannst Du auch das
eine oder andere für sie tun. Aber wenn Du sie auf einen Sockel stellst,
erhöhst Du sie und verehrst Dein Bild von ihnen. Dies bedeutet jedoch
immer, den Respekt vor den eigentlichen Wesen zu verlieren.
Sein und sein lassen, ist die Fähigkeit erlöster Liebe.
|