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Philosophie Essenzen
0 - Der Narr
I - Der Magier
II - Die Hohepriesterin
III - Die Kaiserin
IV - Der Kaiser
V - Der Hohepriester
VI - Die Liebenden
VII - Der Wagen
VIII - Ausgleichung
IX - Der Eremit
X - Glück
XI - Lust
XII - Der Gehängte
XIII - Der Tod
XIV - Kunst
XV - Der Teufel
XVI - Der Turm
XVII - Der Stern
XVIII - Der Mond
XIX - Die Sonne
XX - Das Aeon
XXI - Das Universum

XIV -Die Kunst

Die Kunst besteht darin, im Gleichgewicht zu sein.
Die Zauberworte heißen Verhältnismäßigkeit, Ausgewogenheit und Angemessenheit.
Es geht darum, die Gegensätze zu vereinen, Widersprüche zu einer neuen Qualität zu führen, Integrationen zuzulassen. Es gibt eine Art von "über den Dingen stehen", ohne auf die Dinge herabzublicken, sondern sie so zu lassen, wie sie sind und mit ihnen umgehen können. Dann ist es möglich, sie in freier Entscheidung zu etwas Neuem zu verbinden.
Menschen, die die Kunst verloren haben, spüren das oft sehr genau. Es kommt nicht selten vor, daß Menschen, die z.B. mit dem Rauchen Schluss gemacht, haben zu militanten Nichtrauchern werden. Sie versuchen dann, andere von der Richtigkeit ihres Weges zu überzeugen, manchmal mit wenig demokratischen Mitteln. Das ist auf Dauer mindestens nervend für die Umwelt, im Zweifelsfall sogar unerträglich. Ganz ähnlich funktioniert das bei ausgeprägten Ideologien oder dogmatischen Religionen.
Unerlöste Künste neigen zum Extremismus, egal welcher Art. Wenn sie die Entwicklung zulassen, wird die Gruppe der Gleichwertigen immer kleiner. Wie so oft wird Unverständnis auf der einen Seite von der anderen nicht mit Zuhören sondern mit Ignorieren geahndet. Unerlöste Künste geraten meist rasch in die soziale Isolation. Es ist in der Regel das Klammern an Prinzipien, das abschreckt. Einige unerlöste Künste verschrecken ihre Umwelt mit der Aufdringlichkeit und Übergriffigkeit, mit der sie ihre Mission erfüllen. Wenn Menschen sich von einem Extrem lösen, ist es oft nicht unangebracht zunächst mit dem anderen Extrem zu flirten. Wenn allerdings aus dem Flirt eine Abhängigkeit wird, ist letztlich nichts gekonnt. Es nutzt für Ex-Raucherinnen wenig, den Lungenkrebs vermieden zu haben aber den Magenkrebs, der aus dem Stress der andauernden Kampfsituationen entsteht, zu bekommen.
Unerlöste Künste befinden sich oft in einer Art Flucht. Mit dem "Nur weg vom Alten"; müssen sie sich nicht auf die Gründe, die sie zum vorherigen Zustand geführt haben oder auch mit den eigentlichen Gründen, die die Flucht ausgelöst haben, auseinandersetzen. Die Annahme, etwas "wieder gut machen zu müssen" ist ein häufiger Grund für Extremismus, Rache ein anderer. Gar nicht selten neigen Menschen, die zu einer anderen Religion konvertieren dazu, deren orthodoxe Form anzunehmen, sich in den strengen Regeln und Ritualen zu orientieren, um sich, den anderen, den Gottheiten, die Dazugehörigkeit zu beweisen und das Alte als Fehler so weit abzulegen, wie nur möglich.
Extremismus, egal in welcher Form führt jedoch oft zu geistiger und körperlicher Verkrampfung, zu Kampf, Stress, Inhaltsleere. Alles in allem kein gesunder Zustand. Dabei sind es gerade die Menschen, die in der Lage sind, Extreme zu leben und zu verstehen, auch die, die sie vereinen können. Wer zwei Religionen oder auch Ideologien erlebt hat, kann statt eine zu bekämpfen, lernen, was eigentlich Religionen oder Ideologien ausmacht und für sich den Kern, nicht die Hülle nutzen.
Wirklich frei vom Rauchen - um beim Beispiel zu bleiben - ist nicht, wer das Rauchen bekämpft sondern wer für sich jedes Mal neu entscheiden kann, zur Zigarette zu greifen oder es zu lassen. Vielleicht fällt auch für immer die Entscheidung, nicht zu rauchen. Dennoch bleiben Menschen, die Rauchen auch bei anderen bekämpfen vom Thema abhängig. Und Abhängigkeit ist ja gerade das, was sie eigentlich beenden wollten. Es ist keine Souveränität, auf eine Richtung fixiert zu sein.
Souveränität bedeutet, die freie Entscheidung zu haben, nicht an den Extremen verhaftet zu sein, sondern einen Punkt dazwischen zu wählen, wann immer eine Wahl fällig ist.
Eine erlöste Kunst hat etwas erreicht, wovon viele träumen: Freiheit.

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