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III - Die Kaiserin
Kannst Du Dich noch erinnern, dass das Leben früher anders war?
Vielleicht aufregender, nicht so gleichförmig. Irgendwas war immer.
Vielleicht war es Dir sogar zu viel und du wolltest Deine Ruhe.
Den sicheren Job, die große Wohnung, die stabile Partnerschaft.
Inzwischen hast Du das alles. Irgendwie ist Dein Leben in geordneten Bahnen.
Und Du auch. Alles ist irgendwie gleichförmig geworden. Alles ist,
wie Du es wolltest.
Und trotzdem fehlt irgendetwas.
Die Couchpotato ist nur eine Form der unerlösten Kaiserin. Es geht
auch anders. Du hast in einem Katalog etwas gesehen, was Du bestellen
willst. Aber es gibt sicher noch andere Kataloge, Vergleichsprodukte.
Also erst mal auf Halde mit dem Ding. Vielleicht ist Deine Wohnung so
groß, dass Du in einem halben Jahr längst vergessen hast, dass
sich da zehn Kataloge stapeln. Aber die jetzt wegbringen? Wie wäre
es mit einem Preisvergleich im nächsten Jahr?
Ach ja, der Müll muss raus. Obwohl es tut auch erstmal die Tüte
bis morgen. Dann fliegen all die Tüten da in die Tonne. Immerhin
läuft gleich die Talkshow. ... solange bis der Kabelanbieter den
Fernsehanschluss abklemmt, wegen der unbezahlten Rechnung. Apropos Rechnung,
solltet Du morgen aus dem Bett finden, kannst du ja mal sehen, ob wieder
Geld auf dem Konto ist. ...
Sicher, der Messi ist eine Extremform der unerlösten Kaiserin. Aber
er zeigt gut, was das Problem ist.
Die unerlöste Kaiserin hat sich ein Reich geschaffen, in dem sie
nicht mehr wirklich regiert. Sie lässt es regieren. Unterhaltung
kommt von außen. Die Welt wird konsumiert, am ehesten durch den
Fernsehapparat oder das Internet.
Dabei ist die unerlöste Kaiserin nicht an eine bestimmte soziale
Schicht gebunden. Menschen können sich an jede Situation gewöhnen,
können den Routinen des Lebens vor dem Imbißbude, dem Computerspiel
oder dem eigenen Swimmingpool in gleicher Weise erliegen. Es ist die geistige
und oft auch die körperliche Unbeweglichkeit, die Unflexibilität,
die Stabilität, die zur Erstarrung wurde.
Manchmal beginnt das ganz harmlos. Du sollst etwas tun aber Du hast keine
Lust. Vielleicht willst Du ein Resultat einer Arbeit, eventuell einen
Kuchen, den eigentlich nur Du machen kannst. Der ist genial wenn er fertig
ist ... aber ihn backen?! Wenn das einmal passiert, ist das sicher normal.
Aber wenn Du aus Bequemlichkeit ein halbes Jahr immer wieder darauf verzichtest,
könnte es sein, dass etwas nicht stimmt.
Du lernst oder arbeitest nur deswegen, weil der Druck von außen
noch ... noch ... unangenehmer ist, als das Lernen oder Arbeiten? Eigentlich
können die doch alle mal? Urlaub auf dem Balkon, weil es zwar schön
wäre am Meer zu sein aber es nichts gibt, was Dich motiviert, die
Koffer zu packen? Du kannst nichts hergeben, weil du es noch brauchen
könntest? Du giltst vielleicht sogar als gierig? Alles ist irgendwie
zäh und breiig und eigentlich nervt es Dich aber Du kannst Dich nicht
überwinden, es zu ändern?
All das sind Formen einer Kaiserin, die vergessen hat, sich zu bewegen.
Wenn Du es merkst oder vielleicht auch, solange Du es noch merkst, hast
du die Chance es zu ändern.
Die Essenz der Kaiserin kann Dir dabei den Schub geben, den Du benötigst,
um Dich selbst in Bewegung zu setzen.
An sich geht es um Themen, wie Häuslichkeit, Mütterlichkeit,
Stabilität und Wachstum. Alles Dinge, die nicht unwichtig sind im
Leben. Aber da wo ein solches Prinzip überreizt, pervertiert wird,
tritt Stillstand ein. Wo der Besitz des zum Leben Nötigen in Verlustangst
umschlägt, nimmt die Unflexibilität, der Müll im Innen
wie im Außen destruktive Formen an.
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