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Philosophie Essenzen

0 - Der Narr
I - Der Magier
II - Die Hohepriesterin
III - Die Kaiserin
IV - Der Kaiser
V - Der Hohepriester
VI - Die Liebenden
VII - Der Wagen
VIII - Ausgleichung
IX - Der Eremit
X - Glück
XI - Lust
XII - Der Gehängte
XIII - Der Tod
XIV - Kunst
XV - Der Teufel
XVI - Der Turm
XVII - Der Stern
VIII - Der Mond
XIX - Die Sonne
XX - Das Aeon
XI - Das Universum

IV - Kaiser

Ein Kaiser (oder in der Welt der Politik eben auch eine Kaiserin) ist primär ein Herrscher bzw. eine Herrscherin. Die Kulturen Europas haben hier vor allem das römischen Bild des Kaisers (vom römischen Cäsar, stammen nicht nur die Worte ab sondern bezogen die westlichen Kaiser und die östlichen Zaren ihre Legitimation) übernommen: Der Kaiser macht nicht nur die Gesetze, er ist das Gesetz.
Der Kaiser in uns regelt und strukturiert uns in unserer Umwelt.
Was er will, ist ganz einfach: er möchte die Achtung und den Respekt der Menschen in unserer Umwelt.
Das betrifft alle Lebensbereiche. Die Beziehung zu Partnern, zu Freunden, zu unseren Kindern oder unseren Eltern fällt ebenso in den Bereich des Kaisers, wie der Beruf oder das Geschäft, jede zufällige Begegnung auf der Straße, die Art, wie wir mit der Bedienung im Restaurant, den Beamten oder den Mitgliedern unseres Vereins umgehen.
Und er möchte es, um Erfolg zu haben, Probleme zu lösen. So wie der Kaiser im realen Leben Gesetz sein kann oder Gesetze dem Leben anpasst, können wir auf Biegen und Brechen die Form waren oder uns dem Leben, der jeweiligen Situation, angepasst verhalten. Kleider machen Leute. Verhalten auch.
Ein unerlöster Kaiser spielt seiner Umwelt eine Show vor. Unerlöste Kaiser sind oft sehr jovial, treten gern mit anderen in Kontakt, teilen ihr Wissen mit, helfen zumindest mit Erfahrungen, sagen ihre Meinung. Alles das hört sich recht gut an. Und genau das soll es auch.
Unerlöste Kaiser versuchen Eindruck zu hinterlassen. Alles ist ordentlich und perfekt. Sie haben Beziehungen und Kontakte in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Sie wissen wo es lang geht. Sie wissen, wie "man" sich durchsetzt. Ein bisschen verachten sie ihre Mitmenschen, weil die nicht so sind, wie sie. Aber die meisten geben gern ihr Wissen weiter, ob ihr Gegenüber das will oder nicht.
Ein unerlöster Kaiser hat es meist gar nicht leicht, sich selbst als solchen zu erkennen. Denn in der Regel geht es gar nicht darum, die anderen von sich zu überzeugen. Der Sinn all dieser Handlungen besteht eher darin, die eigene Stabilität zu wahren.
Jemand, der nach außen hin, wie ein solcher Kaiser auftritt, aber weiß, dass das alles nur Show ist, vielleicht weil es ein probates Marketingmittel ist, ist kein unerlöster Kaiser. Die Fragen lautet, wie und warum ein Kaiser so etwas tut.
Wenn Du gern über Dich, Deine Arbeit, Deine Bedeutung redest, wenn Du anderen gern sagst, wie sie ebenso werden können, wenn Du dabei - ganz ehrlich - manchmal übertreibst, wenn Du wichtiger scheinen willst, als Du in Wahrheit bist, könntest Du vielleicht die Essenz des Kaiser brauchen.
Wenn sich all Deine Probleme scheinbar nicht lösen lassen, weil andere daran Schuld sind, wenn du vielleicht sogar zu Wutausbrüchen neigst und Deinen PC oder die Kassiererin im Supermarkt anschreist oder alle Männer am liebsten auf den Mond schießen möchtest, könnte es Zeit sein, etwas zu unternehmen.
Wenn Du merkst, dass die Leute gar nicht interessiert, was Du ihnen sagst, wenn sie zu Dir formal freundlich sind, Dich aber in Wirklichkeit nicht mögen, wenn Dir auf Partys stundenlang alle zuhören und niemand mehr als zwei Sätze zu Dir sagt, solltest du Dich fragen, ob Du nicht viel eher von Deiner um Dich herum aufgebauten starren Weltsicht abhängst, als die anderen von Deiner Anwesenheit. Echtes Interesse bei den Leuten wirst Du erst wecken, wenn Du ihnen zuhörst. Nicht umgedreht.
Wenn Du lernst im richtigen Moment das zu sagen, was den Menschen wirklich weiterhilft, werden sie Dich schätzen. Wenn Du Dich einbringst, statt Dich hervorzutun, wenn Du Deine zweifellos vorhandene Kompetenz nutzt (dazu gehört auch, sie hin und wieder in Frage zu stellen) wirst Du dahin gelangen, wo du hinmöchtest.

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