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Philosophie Essenzen
0 - Der Narr
I - Der Magier
II - Die Hohepriesterin
III - Die Kaiserin
IV - Der Kaiser
V - Der Hohepriester
VI - Die Liebenden
VII - Der Wagen
VIII - Ausgleichung
IX - Der Eremit
X - Glück
XI - Lust
XII - Der Gehängte
XIII - Der Tod
XIV - Kunst
XV - Der Teufel
XVI - Der Turm
XVII - Der Stern
XVIII - Der Mond
XIX - Die Sonne
XX - Das Aeon
XXI - Das Universum

VIII - Die Gerechtigkeit

Eines der Sinnbilder für Gerechtigkeit, in manchen Tarotdeck heißt die Karte auch Ausgleich oder Waage, ist Justicia. Blind, das Schwert in der einen, die Waage in der anderen Hand verkörpert sie die letztlich römische Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit.
Die Blindheit gegenüber den Individuen "Vor dem Gesetz sind alle gleich "wird sofort zur Illusion, wenn Menschen im Namen von Justicia Recht sprechen. Denn, es sind nun mal Menschen, mit ihren eigenen Vorlieben und Problemen, mit ihren Bildern, Urteilen und Vorurteilen im Kopf.
Diese Subjektivität kann in der Praxis der Justiz durch die eine oder andere Maßnahme reduziert werden. Im täglichen Leben be- und verurteilen wir jedoch immer ohne Netz und doppelten Boden.
Solange dies anhand unserer Wertmaßstäbe funktioniert, mag das halbwegs akzeptabel sein. An irgendeiner Basis müssen wir uns orientieren, irgendetwas muss die Strategien unseres Lebens steuern. Wenn die Grundlage eines Urteils jedoch unsere aktuelle Situation, vielleicht einfach unsere Laune ist, wird dies für uns und unsere Umwelt in aller Regel destruktiv. Denn auf Grund unseres Urteils, unserer Einschätzung handeln wir. Unbedachte Reaktionen, Vorwürfe, selbst wenn sie inhaltlich noch so berechtigt sein mögen, sinn- und fruchtlose Diskussionen an falscher Stelle, im falschen Zusammenhang, um das falsche Thema entfernen uns von den anderen Menschen.
Unerlöste Gerechtigkeiten können auf diese Weise ganze soziale Gefüge, wertvolle Beziehungen, konstruktive Bindungen zerbrechen lassen.
Mit schonungsloser, oft nahezu brutaler Offenheit sagen oder schreien sie Leuten das, was sie für die Wahrheit halten, ins Gesicht.
Inhaltlich haben sie dabei hin und wieder sicher auch Recht. Oft jedoch nicht, denn ihre eigene aktuelle Situation verhindert meist eine genauere Analyse dessen, was sie sagen oder tun.
Das Problem: niemandem ist geholfen.
Die unerlöste Gerechtigkeit mag sich für einen Moment besser fühlen - dies war auch der einzige Sinn der Aktion - auf Dauer jedoch ist der Verlust der aus dem Schlag gegen die Umwelt resultiert, größer, als das momentan Erreichte.
Besonders schwierig werden Menschen eingeschätzt, die sozusagen ständig auf der Suche nach einer Gelegenheit sind, ihr Urteil in aller Deutlichkeit kundzutun. Diese haben oft einfach Spaß daran, den Menschen drastisch mitzuteilen, was falsch läuft. Im Laufe der Zeit gewinnen sie dabei eine gewisse Routine, was den Wahrheitsgehalt ihrer Urteile steigert. Tatsächlich ist in dem, was sie sagen ein nicht zu unterschätzender Kern an Realität. Dass sie sich dabei nicht beliebt machen, liegt unter anderem daran, dass viele Menschen die bittere Wahrheit nicht hören wollen.
Der zweite Grund ist jedoch, dass sie selten Rücksicht darauf nehmen, wie das, was sie sagen wirkt. Eine Aussage kann noch so wahr sein: am falschen Punkt, in der falschen Weise angebracht verschärft sie das Problem des Betroffenen eher, als dass sie hilft.
Im Kern geht es der unerlösten Gerechtigkeit auch gar nicht um die Hilfe für andere. Im Kern werden die anderen dazu benutzt, die eigene Stabilität zu erhalten. Die nach außen stark scheinende unerlöste Gerechtigkeit überspielt lediglich die innere Unsicherheit. Je häufiger die wertenden Auftritte im Außen, umso besser wird die Aufmerksamkeit vom Blick nach Innen abgelenkt. Denn das Innere macht wegen des unsicheren, instabilen Erscheinungsbildes Angst.
Das Ego einer unerlösten Gerechtigkeit mag das Innere nicht im Außen leben. Deshalb spielt es Stärke vor, die real nicht vorhanden ist. Es mag hart sein, dies zu erkennen oder zuzugeben. In der Praxis führt kein Weg daran vorbei, es sei denn Du willst Deine eigene Entwicklung blockieren.
Die Tarotessenz der Gerechtigkeit hilft Dir, den Mut zu finden, an das eigentliche Thema heranzugehen. Sie hilft Dir einen Ausgleich zu schaffen zwischen Innen und Außen, zwischen Ratio und Gefühl. Es geht darum Dich ins Lot zu bringen.
Dazu ist es oft gar nicht notwenig, auf die Stärke im Außen zu verzichten. Aber es ist nötig zu erkennen, was konstruktiv auf andere Menschen wirkt. Du hast die Fähigkeit, die Probleme, die blinden Flecken der anderen zu erkennen. Wenn Du mit Dir selbst ins Reine kommst, lernst Du nicht nur Deine blinden Flecken zu sehen, sondern auch, anderen zu sagen, wie sie mit sich umgehen können.
Du wirst vom Außenseiter zum geachteten Mitglied einer sozialen Struktur.

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