|
0
- Der Narr |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
IX - Der EremitDas Leben eines unerlösten Eremiten ist unter Umständen
sehr unerfreulich. Manchmal nahezu trist und freudlos.
Dabei sind unerlöste Eremiten etwas besonderes - in ihren Augen. Sie sehen sich als "ewas anderes" an, als Menschen die so gar nicht in ihre Umwelt passen. Sie sind typische Einzelgängerinnen und Einzelgänger. "Die Welt" versteht sie nicht. Die Symptome können sehr breit gefächert sein. Manche leben einsam, zurückgezogen und scheu. Am liebsten ist ihnen eine eher kleine Umwelt, in der sie sich irgendwann nicht mehr der Kontaktversuche anderer erwehren müssen. Diese kleine Umwelt lässt sich z.B. in großen Städten finden, in denen es ihnen gelingt, in der Masse anonym zu bleiben. Aber auch kleine Orte, in denen irgendwann niemand mehr fragt, bilden eine Schutzwand. Ist ihre Rolle als Graue Maus erstmal stabil anerkannt, bringt sie von außen kaum etwas aus dem Konzept. Andere verfolgen eher die Strategie der Angepasstheit. Sie legen sich ein Repertoire an Verhaltensmustern zu, mit denen sie spielend, im doppelten Sinn des Wortes, durchs Leben kommen, ohne wirkliche Kontakte. Sie können sich dabei eine breite Palette an Aktionen oder Reaktionen zulegen, die sie bestens tarnen. In Wahrheit jedoch wollen sie in Ruhe gelassen werden und leben trotzdem in einer Form von Abgeschiedenheit, manchmal sogar noch hinter einer viel dichteren Wand, als die Ängstlichen. Dabei müssen unerlöste Eremiten gar nicht annehmen, sie seien besser als andere Menschen, obwohl auch das manchmal passiert. Wenn die tatsächliche Individualität die sie haben, sie langfristig davon abhält, mit anderen in Kontakt zu treten, kann Frustration durchaus dazu führen, dass sie sich innerlich über andere erheben. Selbst dann wissen unerlöste Eremiten in irgendeiner Ecke ihres Gehirns meist, dass es dafür keinen realistisch Grund gibt. Dennoch stabilisiert sie das Bessersein, macht ihnen das Anderssein, das Alleinsein erträglich. Hier liegt aber auch eine weitere Gefahr: Manchmal kompensieren unerlöste Eremiten auch tatsächliche Minderwertigkeitsgefühle, welche Ursachen diese auch haben mögen, mit dem Gedanken des Andersseins. Irgendetwas kann sie in die Isolation getrieben haben, irgendetwas hat sie verunsichert, so dass ein normaler Kontakt mit den Menschen der Umwelt nur schwer möglich ist. Sie trauen sich nicht, ihr Leben in direkten Bezug zum Leben anderer zu setzen und können sich tatsächlich für minderwertig halten. In den Biografien ist meist gar nicht klar zu erkennen, was Huhn und was Ei ist: fühlten sie sich erst minderwertig und definierten sich dann als "anders" um ihre Lage zu ertragen? Waren sie erst anders und entwickelten daraus das Gefühl, nicht gut genug zu sein? Unerlöste Eremiten leiden oft unter der Einsamkeit. Dabei wissen sie meist nicht, dass ihre Umwelt ihre Individualität anerkennen würde, würden sie die Menschen zwingen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Wären sie stark genug, sich dem Kampf zu stellen, gäbe es viele Probleme nicht lange. Entweder weil sich herausstellt, dass es außerhalb ihres Verständnisses nie ein Problem gegeben hat und die Welt förmlich auf sie wartet oder weil die Welt lernen würde, mit ihnen umzugehen. Nicht immer sind die "Anderen" auch wirklich anders. Manchmal ist es einfach nur die unrealiatische Perspektive auf sich selbst. Manchmal missverstehen unerlöste Eremiten aber auch die anderen Menschen, orientieren sich an Bildern oder Projektionen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Menschen, die sich mit der Selbstisolation nicht abfinden können gehen meist zwei verschiedene Wege. Einer davon ist, sich in Kommunikationsstrukturen einzubringen (vor allem das Internet bietet hier beste Voraussetzungen) in denen sie zumindest teilweise unter "Gleichen" sind. Auch wenn das oft nur eine Illusion ist. Adäquat dazu können aber auch Szenen oder Subkulturen, die entweder Anonymität oder aber Individualität bieten, anziehend auf die unerlösten Eremiten wirken. Vor allem auch politisch linke Strömungen und Gruppen oder die hochgradig individualistische Esoterikszene bieten hier weite Möglichkeiten. Der andere Weg, der oft mit dem ersten gut zusammenpasst, ist eine folgerichtige Entwicklung aus der Basis des "Andersseins". Die unerlösten Eremiten werden oft erst wirklich anders. Der Spielraum, den ihnen ihre Isolation lässt und die Notwendigkeit des tatsächlich auch anders seins, führen sie auf Wege, die andere Menschen nicht gehen, leben, denken. Hier liegt auch die große Chance. Wenn die unerlösten Eremiten es schaffen, sich eine Basis zu entwickeln, haben sie die Möglichkeit, sich ihren Platz in der Gesellschaft zu suchen. Gerade, weil sie nonkonform sind, erschließen sie die Nischen, die eine Gesellschaft lässt und werden dort zu einem wichtigen Bestandteil der Umwelt. Damit sind sie noch keine erlösten Eremiten aber die Möglichkeiten, die sich ihnen jetzt bieten, machen den Weg zur Erlösung einfacher, als z.B. die Situation der grauen Maus. Allerdings ist auch der Leidensdruck geringer und damit die Bereitschaft sich der Problematik zu stellen. Zudem verstellt möglicherweise die Intensität, mit der sie an ihrem Platz oder ihrem Image arbeiten den Blick auf die immer noch bestehende Isolation. Auch für einen erlösten Eremiten geht es um Grenzen. Die Tarotessenz des Eremiten kann ihnen helfen, diese Grenzen dort zu setzen, wo es ihnen nicht schadet. Es geht um die richtige Balance zwischen Individualität und Leben in der Gesellschaft, es geht um den Platz in der Umwelt, der den Eremiten zusteht. Erlöste Eremiten können je nach Bedarf und Situation allein oder in der Gesellschaft leben. Sie bestimmen flexibel, wer, wann, wie und wo ihre Grenzen überschreitet, sie können kommunizieren und sich durchsetzen. Sie bestimmen wer sie sind und wo sie hingehören. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||